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25. November 2020 read the game

MeinVfB: Wechselhafte Hälften

Der VfB Stuttgart spielte am 8. Spieltag 3:3 in Hoffenheim. Die beiden Halbzeiten glichen einem Wechselbad der Gefühle.

Die erste Halbzeit als Gesamtes war ein beeindruckendes Offensivspektakel vom VfB, 13 Torschüsse gaben die Stuttgarter ab. Mit 2:1 gingen man in die Kabine. Mit dem Seitenwechsel folgte der vermeintliche Bruch im Spiel. Hoffenheim glich kurz nach Wiederanpfiff aus, drehte gar in der 71. Minute komplett die Partie. Kurz vor Abpfiff gelang aber noch der erlösende Ausgleich.

Cheftrainer Matarazzo sprach nach dem Spiel davon, dass die Statistik, vor allem jene im Bereich der Zweikämpfe, zwar für sie sprach. Die entscheidenden, so der Stuttgarter Trainer, gingen jedoch verloren. Diese Einschätzung traf auch das Bauchgefühl auch vieler Anhänger. Wurden die Stuttgarter nun durch die Hoffenheimer Veränderungen im Spiel überlistet, Matarazzo vom Kollegen Hoeneß gar ausgecoacht? Hilfreich ist zunächst immer ein Blick auf die eigene Mannschaft. Denn darauf hat der Trainer den größten Einfluss. Fest steht: Offensiv wie Defensiv gab es für den VfB definitiv einen Wendepunkt in der Partie, jedoch lag der bereits in der 30. Minute. 

Stichwort Offensive: Neun der 13 VfB-Torschüsse vor der Pause fanden nämlich in der ersten halbe Stunde der Partie statt. Der zweite Treffer war also nur die logische Konsequenz eines bis dato dominanten Auftritts der Stuttgarter – und das obwohl man zunächst mal wieder zurücklag. Das fünfte Mal binnen acht Spieltagen, das dritte Mal auswärts seit Saisonbeginn. Aber eben auch zum dritten Mal hat der VfB noch Unentschieden gespielt. Nach dem 2:1 musste jedoch auch Nico Gonzalez verletzt vom Platz. Für ihn kam Sasa Kalajdzic. Was jedoch nicht ins Spiel gebracht wurde und auch in der Halbzeit wohlmöglich nicht klar genug kommuniziert wurde, ist die Spielidee, wie man jetzt einen Stürmer Kalajdzic ins Szene setzt. Der österreichische Nationalspieler bringt andere Voraussetzungen und Qualitäten als ein Gonzalez mit. 

Der VfB Stuttgart fand fortan zu wenig Lösungen in der Offensive. Nach dem Seitenwechsel kamen die Stuttgarter nur noch zu 7 Torschüssen. Somit öffneten die Schwaben spätestens mit Beginn der zweiten Hälfte den Hoffenheimern die Tür, um wieder zurück in die Partie zu finden. Und das lässt sich an folgendem Wert ablesen. 

Wir haben beim Institut für Spielanalyse dem Game Control Index entwickelt. Er deckt das Verhältnis aus kontrollierten und unkontrollierten Aktion in einer Partie ab – auf Spieler- und Teamebene. In den ersten 30 Minuten kam der VfB Stuttgart auf einen Wert von 9,6. Der Bundesliga-Durchschnitt liegt bei 3,1. Also hatten die Stuttgarter eine drei Mal höhere Spielkontrolle als es im Schnitt in der Bundesliga üblich ist. Die Stuttgarter kontrollierten wenn nicht sogar dominierten im wahrsten Sinne des Wortes die erste Spielphase. Danach kam jedoch der Abriss in der Partie. Für die erste Hälfte wurde am Ende ein Wert von 6,6 und die zweite Hälfte insgesamt ein GCI-Wert von 4,4 eingefahren.

Ergo die Spielkontrolle zu Beginn der Partie halbierte sich praktisch. Auffällig die Werte der Hoffenheimer stiegen zwar vor dem Pausenpfiff an, sanken aber nach Seitenwechsel jedoch auch wieder auf den Wert von 2,9 für die gesamte zweite Hälfte. Kurz: Der VfB gab Kontrolle ab und Hoffenheim genügte das bereits, um Tore zu erzielen ohne selbst dominanter aufzutreten. 

Da Nico Gonzalez länger ausfallen wird, muss der VfB und sein Trainerteam ein Augenmerk darauf legen, wie man einen Spielertyp a la Kalajdzic besser ins Spiel und für Torschüsse einbindet. Das bedeutet auch, dass der VfB vielleicht öfter und vor allem erfolgreicher Flanken muss. Bis dato hat Stuttgart 63 mal in dieser saison geflankt, jedoch waren nur 19 % davon erfolgreich. In der Masse gehört man zum unteren Tabellendrittel, bei der Ausbeute ist aktuell nur Wolfsburg schlechter mit 15% erfolgreichen Flanken im Sinne von angekommen. Der VfB steht also vor einer spannenden Trainingswoche, die ins Top-Spiel gegen die Bayern mündet.